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Herzlich willkommen

ANgeDACHT

Hallo, ich bin die Zeit!

„Hallo. Was, die Zeit? Also echt, dafür hab‘ jetzt gar keine Zeit!“
„Für was hast du keine Zeit?“ „Naja, für sowas eben wie Plaudern und so.“
„Entschuldige bitte, das verstehe ich nicht. Du hast keine Zeit, aber ich bin doch da!“ „Na, du hast Nerven. Sagst, du bist da und andauernd läufst du mir davon.“
„Ich laufe davon?“ „Ja! Sag, mal, merkst du das gar nicht, dass du ständig läufst?“
„Nein. Wie macht sich das denn bei dir bemerkbar, dass ich davonlaufe?“ „Wie sich das bei mir bemerkbar macht? Ja, das kann ich dir wunderbar erklären: Ständig gibt es Dinge, die ich nicht erledigen oder abhaken kann, weil mir die Zeit nicht reicht. Und ganz massiv wird das dann in der Weihnachtszeit.“
„Wieso zeigt sich das in der Weihnachtszeit besonders deutlich?“ „Sag mal, hast du wirklich keine Ahnung von dem Stress in der Weihnachtszeit oder tust du nur so?“
„Erzähl mir bitte, damit ich dich verstehen kann.“ „Gut. Zu Weihnachten möchte man ja, dass alles passt, die Deko, die Geschenke, das Essen, die Harmonie in der Familie, der Friede, die Liebe. Es heißt doch immer so schön: Weihnachten – das Fest der Liebe. Dass ich nicht lache!“
„Warum sagst du‚ dass ich nicht lache‘?“ „Weißt du, manchmal ist es ganz schön traurig: Da tust du und machst du und organisierst und gibst auch noch eine Menge Geld aus – und, was kommt heraus?“
„Was kommt denn heraus?“ „Oft das Gegenteil von dem, was man eigentlich wollte und will: Der Haussegen hängt schief, anstatt dass man sich versteht, ich bin grantig, die anderen werden grantig, anstatt dass es irgendwie freundlich zugeht, weißt du, irgendwie so, wonach ich mich sehne und wie’s schön wäre.“
„Das tut mir leid. Das hört sich für mich ziemlich niedergeschlagen an.“ „Niedergeschlagen, manchmal schon.“
„Wer oder was schlägt dich denn nieder?“ „Mhm, lass mich mal bitte einen Augenblick überlegen... Bist du es, die Zeit, die mich niederschlägt?“
„Wie soll ich dich niederschlagen können? Ich bin da, aber ich kann nicht agieren.“ „Verstehe ich das recht? Wenn du nicht agieren kannst, dann bin ich es, der agiert, auch mit dir agiert?“
„So sehe ich das jedenfalls.“ „Darf ich dich was fragen?“
„Ja, bitte, frag mich!“ „Meinst du vielleicht, ich agiere falsch mit dir, der Zeit? Meinst du, ich organisiere dich schlecht, gerade in der stressigen Zeit?“
„‘Falsch‘ und ‚schlecht‘. Das klingt für mich nach beurteilen und bewerten. Ich meine, dass es bei deiner Frage gar nicht um ‚falsch‘ und ‚richtig‘ oder um ‚gut‘ und schlecht‘ geht.“ „Aha. Um was geht es dann?“
„Die Frage, so nehme ich das wahr, ist doch diese: Kannst du wirklich das, was an Weihnachten gefeiert wird und wonach du dich sehnst, nach Frieden, nach Harmonie, nach Verständnis und Angenommen-Sein, meinst du wirklich, dass DU das ORGANISIEREN kannst?“ „Wenn ich mir das recht überlege...stimmt: Solche Dinge kann ich nicht organisieren, die wachsen, von alleine. Ne, sie wachsen zwar von alleine, aber sie brauchen Zeit... Wow, das find ich richtig klasse, dass du mich angesprochen hast, Zeit. Vielen Dank!“
„Ich freue mich mit dir!“

Eine gesegnete Weihnachtszeit wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin Claudia Steuerer-Wünsche